Messen der Leistungsaufnahme eines Geräts

R&S®ESSENTIALS | Grundlagen von Netzgeräten

Messen der Leistungsaufnahme eines Geräts

Paul Denisowski, Product Management Engineer

Genaue Messungen des Energieverbrauchs sind für die Beurteilung der Geräte-Performance und die Gewährleistung eines effizienten Betriebs von entscheidender Bedeutung. Moderne DC-Tischnetzgeräte wie die R&S®NGM Serie von Rohde & Schwarz bieten fortgeschrittene Funktionen für Leistungsmessungen und Stromverbrauchsanalysen.

Messen der Leistungsaufnahme mit Hilfe der Rücklesefunktion

Die Rücklesefunktion bietet die Möglichkeit, die tatsächliche Ausgangsspannung und Ausgangsstromstärke des Netzgeräts zu messen und anzuzeigen. Die Rücklesewerte werden während des Betriebs kontinuierlich aktualisiert und lassen sich häufig auf dem Bildschirm anzeigen, solange das Gerät benutzt wird. Im Gegensatz zu den konfigurierten Werten, die benutzerdefiniert sind, stellen die Rücklesewerte Echtzeitdaten dar, die dem vom Netzgerät real gelieferten Strom entsprechen.

Die Rückleseauflösung entspricht der Granularität, mit der die tatsächliche Spannung und Stromstärke gemessen werden können, und die Rücklesegenauigkeit bestimmt, wie genau ein Netzgerät die tatsächliche Ausgangsspannung bzw. -stromstärke messen kann. Diese beiden Parameter fallen je nach Netzgerätemodell unterschiedlich aus.

Anzeige von Rücklesedaten auf dem R&S®NGM
Anzeige von Rücklesedaten auf dem R&S®NGM

Die Rücklesefunktion bietet dem Benutzer nicht nur präzise Echtzeitinformationen, sondern unterstützt auch:

  • Remote Sensing: Kompensation des Spannungsabfalls zwischen Netzgerät und Last
  • Schutzfunktionen: Einhaltung vorgegebener Grenzen für Spannung, Strom und Leistung
  • Modusbestimmung: Ermittlung, ob das Netzgerät im Konstantspannungs- oder Konstantstrombetrieb arbeitet
  • Logging: Aufzeichnung der gemessenen Ausgabewerte im Zeitverlauf zur detaillierten Analyse

Das Logging ist insbesondere dann unerlässlich, wenn die Rücklesewerte im Anschluss weitergehend analysiert werden sollen.

Logging und Leistungsaufzeichnung zur Energieverbrauchsmessung

Mittels Logging lässt sich die Leistungsaufnahme im Zeitverlauf aufzeichnen. Diese Funktion ist unverzichtbar, um den Energieverbrauch im Detail zu bestimmen. Hierfür müssen Spannung und Strom gleichzeitig gemessen werden. Naheliegend ist daher der Einsatz von zwei externen Messgeräten, nämlich eines für die Spannung und eines für den Strom. Eine genauere und einfachere Methode bietet jedoch oft die integrierte Logging-Funktion des Netzgeräts. Diese ist nicht invasiv (da der Stromkreis nicht unterbrochen werden muss) und stellt sicher, dass die Spannungs- und Stromwerte zeitlich synchronisiert sind.

Überwachung der Leistungsaufnahme mit externen Messgeräten
Überwachung der Leistungsaufnahme mit externen Messgeräten

Gängige Logging-Parameter sind:

  • Spannung, Strom und Leistung
  • Logging-Intervall (in Sekunden)
  • Start-/Stoppbedingungen oder Dauer der Aufzeichnung

Die Aufzeichnungsrate beim Standard Logging ist bei den meisten Tischnetzgeräten auf etwa 10 Abtastwerte pro Sekunde begrenzt. Für viele Leistungsmessungen ist dies zwar ausreichend – Transienten oder andere Ereignisse von sehr kurzer Dauer können aber nicht unbedingt erfasst werden. Daher bieten einige Netzgeräte auch eine Hochgeschwindigkeits- oder Fast-Logging-Option. In diesem Modus kann der Benutzer die Abtastrate für Spannung und Strom einstellen – bei manchen Geräten auf bis zu 500.000 Abtastwerte pro Sekunde. Mit Hilfe einer solchen Hochgeschwindigkeitsaufzeichnung können auch Übergänge im Mikrosekundenbereich erfasst werden.

Die erfassten Daten werden normalerweise in einfachen Textdateien im CSV-Format (Comma Separated Values) gespeichert. Dieses Format eignet sich gut für die Verarbeitung und Analyse von Daten. Jede CSV-Datei enthält einen Header, der die erfassten Daten beschreibt, wie z. B. Zeitstempel, Spannung, Strom und Leistung. In den nachfolgenden Zeilen stehen dann die aufgezeichneten Werte für jedes Messintervall.

Beispiel einer CSV-Log-Datei
Beispiel einer CSV-Log-Datei

Beim Fast Logging werden die Daten in einem Binärformat gespeichert, das später in CSV konvertiert werden kann. Fast-Log-Dateien enthalten keine Zeitstempel. Die Zeiten können aber aus der Startzeit und dem Logging-Intervall abgeleitet werden.

Beispiel für Daten im Binärformat
Beispiel für Daten im Binärformat

Die protokollierten Daten können auf dem Netzgerät selbst oder auf Wechselmedien wie USB-Laufwerken gespeichert werden. In einigen Fällen können die Daten auch mit Hilfe von SCPI-Befehlen über eine LAN-Schnittstelle an ein externes Gerät oder einen Computer gestreamt werden.

Häufig werden statistische Analysen oder Trendanalysen für die erfassten Daten durchgeführt, um Erkenntnisse über Stromverbrauchsmuster und die Systemperformance zu gewinnen. Hierfür können diverse Software-Tools wie Microsoft Excel oder MATLAB eingesetzt werden.

Messen der Leistungsaufnahme eines Geräts mit dem R&S®NGM

Sehen wir uns nun die konkreten Schritte zur Messung der Leistungsaufnahme an. Auch wenn sich Details je nach Netzgerät unterscheiden können, ist das Grundprinzip immer gleich. Im Folgenden erläutern wir die Durchführung und Aufzeichnung von Leistungsmessungen mit dem R&S®NGM Netzgerät von Rohde & Schwarz.

Wir beginnen mit dem Standard Logging:

  • Schritt 1: Speicherort festlegen (z. B. USB-Stick)
  • Schritt 2: Einstellen des Logging-Intervalls
  • Schritt 3: Einstellen des Logging-Modus
  • Schritt 4: Manuelle Triggerung aktivieren (optional)
  • Schritt 5: Konfigurieren der CSV-Dateien für die aufzeichneten Daten

Wir erläutern jeden dieser Schritte am Beispiel des R&S®NGM.

Um das Logging-Menü zu erreichen, drücken Sie zunächst die Menütaste und wechseln zur Registerkarte „Device“. Sie finden die Logging-Parameter nun, indem Sie zum Menüpunkt „Logging“ scrollen und dann auf den Pfeil drücken. Die Logging-Funktion muss ausgeschaltet (oder deaktiviert) werden, bevor die Konfiguration geändert werden kann.

Aufrufen der Logging-Konfiguration
Aufrufen der Logging-Konfiguration

Im nächsten Schritt legen Sie fest, wo die Log-Datei gespeichert werden soll. Wenn „Save Location“ auf „Auto“ eingestellt ist, wählt das Netzgerät ein angeschlossenes USB-Laufwerk als Speicherort, sofern verfügbar. Ist kein USB-Laufwerk vorhanden, wird stattdessen der interne Speicherordner verwendet. Mit der Option „Manual“ können sowohl der Zielort als auch der Pfad bzw. das Verzeichnis, in dem die Logdateien gespeichert werden sollen, manuell festgelegt werden.

Festlegen des Speicherorts der Log-Dateien
Festlegen des Speicherorts der Log-Dateien

Der Parameter „Interval“ legt fest, wie oft Daten ins Log geschrieben werden, oder mit anderen Worten die Zeitspanne zwischen Messungen. Durch Klicken auf „Interval“ öffnet sich ein Dialogfeld zur Eingabe des Logging-Intervalls.

Einstellen des Logging-Intervalls
Einstellen des Logging-Intervalls

Das R&S®NGM unterstützt vier verschiedene Logging-Modi:

  • Unlimited (Unbegrenzt): Die Aufzeichnung wird manuell gestartet und fortgeführt, bis sie manuell beendet wird. Dies ist der Standardmodus.
  • Count (Bestimmte Anzahl von Messwerten): Die Aufzeichnung wird manuell gestartet, aber automatisch beendet, wenn eine benutzerdefinierte Anzahl von Werten erfasst wurde.
  • Duration (Dauer): Die Aufzeichnung wird manuell gestartet, aber automatisch beendet, wenn ein benutzerdefiniertes Zeitintervall abgelaufen ist.
  • Span (Zeitraum): Die Aufzeichnung beginnt zu einem benutzerdefinierten Zeitpunkt und endet nach Ablauf einer benutzerdefinierten Zeitdauer.
Einstellen des Logging-Modus
Einstellen des Logging-Modus

Das Logging kann über das Menü „Logging“ manuell gestartet und beendet werden. Eine weitere Möglichkeit zum Starten oder Stoppen der Aufzeichnung ist ein Trigger, der mit dem Schalter neben „Triggered“ aktiviert werden kann.

Zwei Möglichkeiten zum Starten und Stoppen des Logging
Zwei Möglichkeiten zum Starten und Stoppen des Logging

Anhand des Symbols „LOG“ in der Statusleiste können Sie ganz einfach überprüfen, ob aktuell Daten aufgezeichnet werden.

Indikator: Logging aktiv
Indikator: Logging aktiv

Wir erläutern nun, wie sich das Format der CSV-Dateien für die erfassten Daten ändern lässt. Klicken Sie dazu auf den Menüpunkt „CSV Setting“. Anschließend können Sie die folgenden Parameter einstellen:

  • Field delimiter (Feldtrennzeichen): Komma oder Semikolon
  • Decimal separator (Dezimaltrennzeichen): Punkt oder Komma
  • Error designator (Fehlermarkierung): Not a Number (NaN) oder leer
  • Line end marker (Zeilenendmarkierung): Carriage Return (CR) / Line Feed (LF) oder nur LF

Falls Sie auf diesem Gebiet nicht bewandert sind, besteht kein Grund zur Sorge. Die Standardeinstellungen für das CSV-Format sind die gebräuchlichsten. In aller Regel müssen Sie keine Änderungen an den Parametern vornehmen.

CSV-Einstellungen
CSV-Einstellungen

Fazit

  • Die Rücklesefunktion ermöglicht die Echtzeitüberwachung der Ausgabewerte.
  • Mit Hilfe der Logging-Funktion können die Rücklesewerte präzise erfasst und anschließend analysiert werden.
  • Zwei Logging-Typen sind verfügbar: Standard Logging und Fast Logging. Die Aufzeichnungsraten beim Standard Logging sind meist auf 10 Abtastwerte/Sekunde beschränkt. Beim Fast Logging können Raten von bis zu 500.000 Abtastwerten/Sekunde erreicht werden.
  • Zur Speicherung der erfassten Daten wird beim Standard Logging das CSV-Format verwendet. Beim Fast Logging kommt dagegen ein binäres Format zum Einsatz.
  • Die resultierenden Log-Dateien können auf vielfältige Weise weiterverarbeitet und analysiert werden.

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